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- 3. Altersweiser Bewerbungstipp:
von Gerhard Winkler (Bewerbungsberater, Autor)
www.jova-nova.com
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- Herr Winkler, was raten Sie älteren Arbeitssuchenden, die wie ich 52 Jahre oder älter sind? Was können sie realistisch gesehen erwarten, was weniger? Ist es gar nötig, das Alter zu thematisieren?
Realistisch gesehen, sind Leute ab 30 für Leute unter 30 ausnahmslos alt und im Weg. Leute unter 25 nehmen Individuen jenseits der 35 nur noch als graue Nebelkerzen wahr. Leute um die 20 kennen nicht einmal mehr George Harrison.
Das hindert die Generationen nicht, rücksichtsvoll, verständig und kooperativ das Arbeitsleben zu teilen. Über die Personalauswahl befinden in Deutschland schließlich rational handelnde Menschen. In einer beliebigen Bewerbergruppe werden Personaler und Geschäftsführer denjenigen favorisieren, der am meisten bringt und dafür am wenigsten kostet. Darüber hinaus werden sie nicht anders als Sie selbst auch von unbegründeten Annahmen und unklugen Vorurteilen geleitet.
Lassen Sie als älterer Bewerber unter keinen Umständen zu, dass der Zeitgeist sein Leintuch über Sie wirft. Thematisieren Sie nicht ungefragt Ihr Alter. Spielen Sie mit keiner Silbe darauf an. Kommen Sie nicht auf die Idee, sich für Ihre langjährige Existenz mit einem "Ja, aber"-Argument" auch noch zu entschuldigen.
Geben Sie sich im Privatleben, wie Sie wollen. Sind Sie alt genug, dann treten Sie doch auf wie die bewährten Rollenvorbilder Helmut Kohl oder Sabine Christiansen: Seien Sie altersweise, altersmild, altbewährt, alternierend zwischen Größe und Anmut. Nur als Bewerber stilisieren Sie sich am besten nie anders als so:
Kompetent, zuverlässig, engagiert, ehrlich.
Seit alters her, seitdem der erste Personaler die beiden Landschaftsgärtner A. und E. anheuerte, erwartet man von Bewerbern zuerst, dass sie's können, dass sie nichts anbrennen lassen, dass sie dabei gehörig schwitzen und dass sie den Boss nicht veräppeln.
Das einzige aus dem höheren Alter abgeleitete Pro-Argument wäre eine über die Jahre entwickelte Berufserfahrung. Doch auch die riecht ein bisschen streng, wenn Sie Ihr halbes Berufsleben auf einer einzigen Stelle verbracht haben. Markieren Sie diskret, dass Sie modern, aufgeschlossen, flexibel, mit den neuen Tools und mit den sich ändernden Arbeitsbedingungen vertraut sind. Behaupten Sie's nicht bloß, beweisen Sie’s augenscheinlich. Tun Sie aber bitte nicht jugendlich oder dynamisch odergar revolutionär. Sie schaffen ein Bild von sich: Beim telefonischen Kontakt geht das über Stimme, Sprachniveau und Gestimmtheit. Für’s schriftliche Bewerben gilt: Formulieren Sie nicht so, wie Sie’sschon vor 25 Jahren nicht gewusst haben. Misstrauen Sie allen Bewerbungstrainern, die sich auf's Formale beschränken. Hassen Sie aus ganzem Herzen alle professionellen Seelenverkäufer, die Ihnen raten, sich zu verkaufen. Arbeiten Sie sich durch jova-nova.com und lernen Sie, wie Sie genau das aus sich machen, was Sie tatsächlich sind.
Wenn Sie merken, dass Sie sich schwer tun, einen Job zu finden, analysieren Sie, was Stellenanbieter als Voraussetzungen nennen. Eignen Sie sich an, was Ihnen an zeitnahem Know-how fehlt. Signalisieren Sie, dass Sie auch mit einer befristeten Einstellung zufrieden wären. Wenn gar nichts geht, schaffen Sie sich selber einen Job. Erfinden Sie Ihre eigene ABM-Stelle, hieven Sie sich über eine Beschäftigungsgesellschaft o.ä. ins Boot. Arbeiten Sie freiberuflich oder ein paar Monate ehrenamtlich für eine Non-Profit-Organisation. Verlassen Sie Ihren Beruf, falls Sie darin nicht reüssieren. Mit 52 kann man durchaus noch neue Marmeladensorten, neue persönliche Interessen, neue Freundschaften, einen neuen Beruf erproben.
Zusätzliche Information: Haben Sie schon mal mit ihrem Pfarrer geredet? Auch wegen des geistlichen Beistands. Vor allem aber, weil Pfarrer absolute Organisationstalente sind und beim Aufbau von Selbsthilfegruppen entscheidend mitwirken können.
Warum ist eine Selbsthilfegruppe gut? Klar, sie hilft gegen Vereinzelung und Isolation. Und sie ist eine rechtliche Einheit, mit der Kommunen, Ämter, Betriebe viel besser umgehen können. Wenn es zum Beispiel darum geht, Projektgelder und Fördermittel zu vergeben.
Aufgabe: Sie sind arbeitslos, älter und isoliert und Sie zögern noch? Suchen Sie/gründen Sie die Arbeitsloseninitiative!
Gerhard Winkler (47), schreibt seit 1997 für Stellensuchende auf www.jova-nova.com
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