Sara Narjis:

Wiedereinstieg: Zu alt, zu teuer?

Die Initiative Generation45plus hilft.
Zu Weihnachten hatte ihn der Chef des Elektrofachunternehmens noch gelobt: Ohne dich, Helmut, geht in unserem Betrieb gar nichts, sagte er ihm. Zwei Monate lud er ihn zu einem Gespräch ein und teilte seinem Verkaufsleiter die Kündigung mit. Begründung: Einsparungsmaßnahmen. Der damals 51-jährige Helmut Diesner, der dem Unternehmen 17 Jahre lang gedient hatte, war „total schockiert, fassungslos, enttäuscht.“ Er beginnt sich nach einem neuen Job umzuschauen, verfasst dabei mehr als 300 Bewerbungen, doch meist erhält er die stereotype Antwort, er sei doch viel zu gut für die ausgeschriebene Stelle. Diesner schraubt seine Ansprüche nach unten: „Weniger Gehalt? Kein Problem. Keine Führungsposition mehr? Auch recht. Mir war alles egal, ich wollte einfach nur einen Job.“ Der Wiener hatte Glück: Nach sieben Monaten findet er eine Stelle als Verkäufer in einem Unternehmen für Sicherheitstechnik. Heute erinnert er sich: „Ich habe zwar gewusst, dass es nicht leicht wird, aber dass die Situation so dramatisch ist, damit hatte ich nicht gerechnet. Dabei habe ich es sicher noch weit leichter gehabt als andere.“ 
Helmut Diesner ist kein Einzelfall. Immer häufiger sind ältere Arbeitnehmer von Einsparungen betroffen - und immer jünger werden sie bei ihrer Kündigung: Traf es einst vorwiegend die über 50-Jährigen, so liegt heute das kritische Alter schon bei 40, meint Roman Valent, Begründer der vor drei Jahren gegründeten Initiative Generation45plus, die älteren Menschen beim Wiedereinstieg in den Job helfen will. Dazu veranstaltet man Workshops und Bewerbungsseminare veranstaltet, auf der eigenen Internetsite wurde eine Jobbörse auf die Beine gestellt, und mit Öffentlichkeitsarbeit soll die Problematik (noch mehr) in die Medien gebracht werden. „Zaubern können wir nicht. Meistens ist es ein beschwerlicher Weg, bis man einen neuen Job gefunden hat“, so Valent. Dennoch: Die Bilanz des Vereins sieht gut aus: Für ein Viertel der 180 Mitglieder wurde bereits eine geeignete Stelle gefunden. „Ältere Arbeitnehmer haben Stärken, die jene der Jungen gut ergänzen. Der richtige Mix zwischen Jung und Alt bringt das beste Unternehmensergebnis“, resümiert Valent. Und: „Es hat keinen Sinn zu warten, bis ältere Arbeitslose in Lethargie und Depression verfallen und dann bis zur Pension durchgecoacht werden müssen. Wir müssen selbst etwas unternehmen, und das sofort.“ 
„Die Presse“,
vom Samstag/Sonntag, 3./4.12.2005
Ausgabe Sa 48/Nr. 17.345
 
www.generation45plus.at
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