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FUNDAMENT - Generation 45plus

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Ein ganz schwieriger Wiedereinstieg

 

 

Schon die älteren ArbeitnehmerInnen der Generation45plus müssen schwer um Ihren Arbeitplatz kämpfen. Viel schwieriger wird allerdings ein Wiedereinstieg eines älteren Arbeitssuchenden in den Arbeitsmarkt. Wenn man einmal aus dieser „Umlaufbahn des Wirtschaftslebens“, überhaupt in reiferen Jahren, hinausgefallen ist, dann braucht man wirklich einen riesigen, zusätzlichen „Raketensatz“, um wieder zurückzukommen. Wobei sich mir hin und wieder doch eine Frage immer stärker aufdrängt bzw. sehe ich etwas bildlich vor mir:

 

„ Ein Luxusdampfer, schon leck bzw. auch seitens der Kapitäne schlecht gelenkt, entledigt sich des Ballastes, auch viele Matrosen kommen dran und werden ins Meer geworfen.  Sollten dann diese wirklich versuchen wieder in dieses untergehende Schiff aufgenommen zu werden, sich abstrampeln dafür? Vielleicht auch behandelt, ständig durchgecheckt werden, damit sie wieder fit, „tauglich“ werden? Oder wäre es nicht logisch und notwendigerweise wichtiger, sich  auch um den Zustand des Schiffes bzw. seiner Führer zu kümmern? Aber das traut sich halt dann keiner richtig zu artikulieren.“

„Manchmal wird es auch notwendig sein, diesem großen Schiff den Rücken zu kehren, mit Mut, Vertrauen, Kraft, seinen Fähigkeiten und großer Ausdauer einen neuen Weg zu suchen, auch wenn man noch nichts anderes vor sich sieht, als den Nebel….“

 

Viele Vorurteile bzw. Bedenken gibt es gegen die älteren Arbeitssuchenden. Diese sollte man auch hinterfragen, inwieweit sie vorgeschoben werden, also nur vordergründig genannt werden bzw. wo es dann wirklich Bedenken gibt, die manchmal nicht von der Hand zu weisen sind. Nachstehend wieder einige Gedanken bzw. meine Erfahrungen und Beurteilungen dazu:

 

·            Sie sind zu teuer: Das ist grob betrachtet für die Arbeitssuchenden eine Mähr. Die Älteren, die einen Job suchen, geben es ja dann viel billiger als sie aufgehört haben, bewerben sich auch für viele Aufgaben unter ihrer vorherigen Position. Aber dann kommt des Öfteren die versteckte Frage: Wird er mit diesem niederen Gehalt auch langfristig zufrieden sein, wird er nicht weitersuchen, bis er doch etwas anderes adäquates gefunden hat?

 

·            Der Verschleiß der Arbeitskraft: Das wird sicher bei körperlich schweren Berufen als Argument geführt, betrifft aber schon weitere Bereiche der Angestellten, welche durch die Rationalisierungen mit einer Verdichtung der Arbeit durch weitere, neue Aufgabenstellungen, den Termindruck bzw. einem flexiblen Personaleinsatz konfrontiert sind. Man traut den Älteren nicht so sehr zu, mit dem neuen Dauerstress der „modernen“ Arbeit fertig zu werden. Zu geringe Flexibilität: Das bedeutet heutzutage, in unserer flexiblen Zeit „Nichts Langfristiges“. Wo die permanente Veränderung als das einzige Kontinuierliche bleibt, werden jene, deren Stärken nicht zuletzt in der Kontinuität ihrer beruflichen Erfahrungen liegen, als defizitär wahrgenommen. Ihnen werden vom Management mangelnde Veränderungs- und Anpassungsbereitschaft zugeschrieben, sie werden als zögerlich angesehen, was die Innovationsprozesse betrifft. Und das ist ein weiteres Vorurteile, welches wir in einem anderen Kapitel „Der gesunde Mix zwischen Jung und Alt“ näher behandeln werden. Auch können wir uns fragen, ob diese Art von übertriebener Flexibilität ökonomisch noch der richtige Weg ist? Selbst wenn ältere Menschen mit dem Veränderungsdruck weniger gut mithalten können, wäre es darüber hinaus wert, zu überlegen, ob unsere Gesellschaft diese technisch-wirtschaftliche Veränderung um ihrer selbst willen das Einzige ist, was wir gesellschaftlich noch wollen, bzw. ob sie uns nicht hin und wieder in die Irre führt. Denken wir an die New-Economy, die sich schlussendlich zu einer Seifenblase entwickelt hat und wir heute dazu auch gescheiter geworden sind. Die Wachstumsmaximierung als alleinig verbliebenes Maß für Gesellschaftsgestaltung? Ältere sind da sehr oft kritischer gegenüber zweifelhaften Entwicklungen, sie wehren sich, auch noch begeistert in die Irre zu gehen.

 

·            Heute finden wir wieder so eine ähnliche Situation: Gewinnmaximierung, ausufernde Flexibilität auf Kosten von langfristigen, erfolgreichen Strategien, da machen sie nicht gerne mit. Konstruktiv kritisch sein kann auch zu einem Segen für die Wirtschaft werden. Weiters kann man von den Älteren vielleicht  ein bisschen mehr Gelassenheit erhoffen, und gerade die Stimmungslage der Gelassenheit ist jener Beitrag, den die ältere Generation der vorherrschenden Hektik als Beitrag zur Lebensqualität entgegenzusetzen hätte. Denn Gelassenheit ist weder Ignoranz noch Passivität; der Gelassene bewahrt den Gleichmut, weist Beharrlichkeit auf, wehrt sich gegen die großen emotionalen Pendelschläge; er setzt vielen Dingen auch verminderten Widerstand entgegen: nicht weil sie ihm gleichgültig wären, nicht weil er nicht betroffen sei von den Ereignissen, nicht weil er die Sicherheit der jederzeitigen Überlegenheit hat, nicht weil er in den Fatalismus gleitet   –   sondern weil er weiß, dass Freude und Jubel irgendwann erlöschen und nicht auf Dauer zu stellen sind; weil er den Unterschied zwischen gerechtfertigter Beunruhigung und leerer Aufgeregtheit, zwischen nachhaltiger Freude und propagandistischer Übertreibung, eben zwischen kurzfristigen, übereilten Entscheidungen und einer langfristigeren, erfolgreichen Strategie unterscheiden kann.

 

·            Weiters gibt es vielseits auch eine falsche Einschätzung der Werte, eine Geringschätzung gegenüber dem  Erfahrungswissen der Älteren. Man denkt an etwas Veraltetes, weil Wissen sich ständig erneuert und fälschlicherweise eben gemeint wird, dass das Erfahrungswissen der Älteren aus diesem Grund nicht mehr so benötigt wird wie früher, ja im Gegenteil oft hinderlich sein könnte, um neue innovativ Wege zu gehen. Wie schon erwähnt ist Erfahrungswissen aber etwas ganz anderes, ein durchwegs aktuelles Know-how, gerade heute, wo die Situationen in den Betrieben immer komplexer, undurchschaubarer werden. Hier wird es sehr wichtig werden – ich halte das für die dringlichste und zielführendste Aufgabe – dieses Vorurteil aufzuweichen, Marketing für die Werte der Älteren zu betreiben.

 

Diese Mischung an Argumenten, oft im Mix zwischen Vorurteilen und nachvollziehbaren Motiven, führt nach meiner Meinung zu der derzeitigen Diskriminierung der Älteren. Wir dürfen uns keinen Illusionen hingeben, nichts vormachen: Dieser Trend ist noch lange nicht gebrochen, aber diese Krisensituation kann in uns allen wieder enorme positive, konstruktive Energie hervorbringen um nach neuen Lösungen zu suchen.

 

Und dann: Wo gibt es wirklich Lösungen für diese Problematik, wie sollen sie aussehen? In der Praxis, meine ich. Zig- Forschungsberichte bestätigen sich immer wieder selbst, wie es aussieht mit den Älteren, was man machen sollte. Förderungen für die Älteren dürften – für sich alleine – nicht zielführend sein, weil diese sehr oft benutzt werden, um für eine gewisse Zeit eben billige Arbeitskräfte zu bekommen. Das AMS ist mit dieser Problematik, die sie von der Wirtschaft und Politik auf den Tisch bekommt, ebenfalls überfordert. Wie sollen sie auch die Älteren für die Wirtschaft „schmackhaft“ machen, außer dass sie diese eben „billiger“ anbieten? Die Politik ist ebenfalls überfordert, die große Koalition wird versuchen, einige dieser Betroffenen mit dem „Grundeinkommen“ abzufangen. Aber ist das die Lösung, für dieses, von allen Seiten benannte „brach liegende Humankapital“ der Wirtschaft?

 

Alles, was die große Koalition nicht verbessern kann – also sehr vieles in diesem Bereich – wird sie meiner Meinung nach noch besser und intensiver verstecken wollen als es die vorige Regierung auch schon gemacht hat. So ähnlich wird es auch den Sozialpartnern gehen, haben manche doch nicht einmal genügend Geld um die ArbeitnehmerInnen anständig betreuen zu können. Totschweigen ist angesagt.

 

Trotz aller negativen Argumente bin ich grundlegend optimistisch, dass es doch eine Chance bedeutet, vieles aus dem Gleis geratene neu zu ordnen. Vieles ist sichtbarer geworden:

 

Immerhin haben wir es – leider - geschafft eine ganz neue Gruppe aus unserer Hochleistungsgesellschaft auszuschließen, ihnen keinen Stellenwert mehr zu geben bzw. Ihnen zuzutrauen. ArbeitnehmerInnen ab 45plus. Das ist keine gesunde Entwicklung. Gerade für einen positiven und konstruktiv eingestellten Menschen sollte das bedenklich sein. Da hilft dann kein schönreden oder totschweigen etwas.

 

Nicht alles ist gut und richtig, was schnell geht, besonders dann nicht, wenn es schnell in die falsche Richtung geht. „Beschleunigen durch Entschleunigen“ wäre das bessere Rezept. Und dafür eignet sich die ältere Generation ganz bestimmt.

 

Roman Valent

 

 

 

    „Ältere Arbeitnehmer – Das Potenzial des Arbeitsmarktes der Zukunft“.    
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Roman Valent - Gründer und Leiter der Initiative
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Email:

roman.valent@chello.at

WebSite:

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